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DeCSS

OpenDVD

CSS (Content Scrambling System) ist das Verschlüsselungsverfahren, das für die DVD (Digital Versatile Disc) verwendet wird. Dieses Verfahren ist sehr unsicher (benutzt u.a. nur eine Schlüssellänge von 40bit) und wurde schon vor Monaten geknackt. Jetzt wurden verschiedene Betreiber von Webseiten von einer kalifornischen Anwaltskanzlei darauf gedrängt, die Entschlüsselungssoftware und Links darauf von ihren Servern zu löschen.

Als Reaktion darauf entstehen überall auf der Welt Mirrors dieser Webseiten.

Ich bin der Meinung, dass der Besitz dieser Dateien nicht verwerflich oder strafbar ist. Die Digital Versatile Disc Copy Control Association (DVD-CCA) behauptet, dass ihr durch diese Software hohe Verluste durch Raubkopien gewiss sind. Ich glaube an das Gegenteil: Erst mit Bekanntwerden der Funktionsweise der CSS-Verschlüsselung wurde es überhaupt möglich, DVD-Player für Linux zu schreiben. Jetzt werden die Produzenten von DVD-Laufwerken Linux-User als neue Kunden gewinnen.

Die Entschlüsselungssoftware ermöglicht übrigens nicht das Kopieren von DVDs! Um eine DVD zu kopieren braucht man nichts weiter als einen DVD-Brenner und einen passenden Rohling. Die Kosten um eine DVD-Kopie zu erstellen sind aber heutzutage jedoch noch viel zu hoch, dass sich das für jemanden lohnen würde. Die Software ermöglicht nur das Lesen von DVDs.

Zu versuchen, ein kryptographisch schlechtes Verfahren durch Androhung von rechtlichen Schritten sicherer zu machen ist - höflich ausgedrückt - sinnlos. Wissen kann und darf nicht verboten werden.

Darum habe ich einen Schweizer Mirror eingerichtet: Hier werden die Seite von http://www.lemuria.org/DeCSS/ und die entsprechenden Archive gespiegelt: lokale Kopie

Eine Cryptoanalyse von CSS gibt es auf http://crypto.gq.nu/ oder direkt hier lokal als gepacktes Postscript-Dokument.

Den Anwälten der DVD Copy Control Association ist übrigens im Prozess ein peinlicher Fehler unterlaufen: Die Entschlüsselungssoftware, deren Verbreitung sie ja unterbinden wollte, wurde als Beweisstück in den publizierten Gerichtsakten veröffentlicht!


News


Ein Artikel aus quintessenz-list@quintessenz.at

q/depesche  00.1.14/1

DVD-Hack:  Globaler Protest gegen Repression 

[Von Australien bis Kanada haben 17 internationale Civil
Liberties Groups eine Deklaration unterschreiben, die das
gerichtliche Vorgehen der DVD-Copy Control Association
gegen jene Programmierer verurteilt, die einen Weg gefunden
haben, den Kopierschutz bei DVDs zu umgehen.

Die Deklaration wurde von quintessenz in Zusammenarbeit 
mit der American Civil Liberties Union, Electronic Frontiers 
Australia und anderen erstellt. Das englische Original:

http://www.quintessenz.at

-.-. --.-  -.-. --.-  -.-. --.-  -.-. --.-  -.-. --.-  -.-. --.-  
In Defense of Free Speech on the Net

Die unterzeichneten Mitglieder der "Global Internet Liberty 
Capaign" (einer Koalition von weltweit mehr als 50 
Bürgerrechtsgruppen) sind der Ansicht, daß die Klage der 
Digital Versatile Disc Copy Control Association [DVD-CCA] 
gegen duzende Personen weltweit die freie 
Meinungsäusserung schwer beeinträchtigen kann. 

Wir sind der Meinung, daß es den Inhabern von Rechten an 
geistigem Eigentum nicht erlaubt werden darf, ihre 
Eigentumsrechte auf Kosten der Redefreiheit, des legalen 
Reverse-Engineerings von Software aus 
Kompatibilitätsgründen und der Diskussion von technischen 
oder wissenschaftlichen Themen, auszuweiten. 

Die Klage der DVD-CCA steht im direkten Widerspruch zur 
Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen und zur 
Verfassung der Vereinigten Staaten. 

DER FALL 

Kurz nach Weihnachten hat die Digital Versatile Disc Copy 
Control Association (DVD-CCA) in Kalifornien eine Klage 
gegen Personen auf der ganzen Welt eingebracht, die 
Informationen zum DVD Verschlüsselungssystem CSS oder 
Verweise auf diese Information im Internet publiziert haben. 

Im Kern behauptet die Klage, das Reverse-Engineering von 
DVD CSS sei "unlauter" (Par. 18), "unerlaubt" (Par. 20) und 
stelle eine "unrechtmäßige Aneignung von 
Betriebsgeheimnissen" (Par. 21) bzw. die "unerlaubte 
Verwendung von CSS Information, die auf illegale Weise 
erworben wurde" (Par. 22) dar. Die DVD-CCA ist bislang 
jeglichen Beweis für diese Behauptungen schuldig geblieben, 
und dürfte auch vor Gericht kaum in der Lage sein sie zu 
belegen. 

In der Klage wird behauptet, daß die Beklagten 
Geschäftsgeheimnisse und andere Rechte an geistigem 
Eigentum verletzen, indem sie den Quellcode eines durch 
legales Reverse-Engineering entwickelten Tools zur 
Dekodierung von DVDs publizieren oder diskutieren (oder 
auch nur auf andere Sites verweisen, die dieses tun). 

Ganz im Gegenteil haben sich die von der DVD-CCA 
angegriffenen Personen aber lediglich an einem legitimen und 
grundrechtlich geschützten Meinungsaustausch über CSS 
beteiligt. Dieser umfasst Software, textuelle Beschreibungen 
und Diskussionen. Dabei wurden die Äußerungen in keiner 
Weise aus geheimen Dokumenten der DVD-CCA kopiert 
oder abgeleitet. 

Das Copyright gesteht niemandem Rechte an Ideen zu, 
sondern schützt lediglich die konkrete Formulierung einer 
solchen. Auch betreffen die Gesetze zum Schutz von 
Geschäftsgeheimnissen nur jene Personen, denen sie gegen 
Zusicherung der Geheimhaltung mitgeteilt worden sind. 
Jedem anderen steht es frei, die Geheimnisse selbstständig 
zu entdecken. 

Die im vorliegenden Zusammenhang diskutierten und 
implementierten Ideen, wurden offenbar durch die Analyse 
("Reverse-Engineering") eines DVD Produktes gewonnen, 
was in den meisten Ländern legal ist. Der 1998 in den USA 
beschlossene Digital Millennium Copyright Act enthält in 
Sektion 1201(f) eine Klausel, die das Reverse-Engineering 
einer Kopierschutzeinrichtung zum Zwecke der 
Interoperabilität zwischen Computersystem sogar explizit 
erlaubt. 

Der Quelltext des Decoders, um dem es sich hauptsächlich 
dreht, DeCSS genannt, wurde (von dritter Seite, nicht von den 
Beklagten) geschrieben, um DVD-Laufwerke und Inhalte auch 
unter dem Betriebssystem Linux nutzen zu können, für das 
die Industrie selbst nicht die nötige Treiber anbietet. 

In der Klageschrift stellt die DVD-CCA jedoch die höchst 
fragwürdige Behauptung auf, daß der eigentliche Zweck des 
Quellcodes darin bestehe, illegales Kopieren von DVDs zu 
ermöglichen. 

Experten wie Eric S. Raymond zufolge hat CSS gar nichts 
mit Kopierschutz zu tun. Wie auch die DVD-CCA weiß, 
können DVDs auf andere Art dupliziert werden, DeCSS wird 
nicht dazu benötigt. Die Idee, daß DeCSS eine Rolle in der 
Verteilung von raubkopierten Filmen über das Internet spielen 
soll, ist absurd. Mit einem aktuellen Modem würde die 
Übertragung eines Filmes über eine Woche dauern. 

DER WAHRE HINTERGRUND 

Das eigentliche Ziel der CSS-Technik und dieser Klage 
besteht darin zu verhindern, daß Filme, die in einem Teil der 
Welt gekauft wurden, auf DVD-Geräten in einem anderen Teil 
abgespielt werden können. Die Filmindustrie befürchtet 
schlicht einen Verdienstentgang, wenn ein in den USA auf 
DVD verfügbarer Film in Europa, Asien oder Südamerika 
bereits mit DVD-Spielern betrachtet werden kann, bevor er 
dort in die Kinos kommt. (Daher hat die Filmindustrie auch 
kürzlich von den Herstellern von DVD-Hardware verlangt, daß 
sie die Produktion und den Verkauf von Playern einstellen, 
die in der Lage sind DVDs aus allen Teilen der Welt 
abzuspielen.) 

Die DVD-CCA verkauft auch Lizenzen an die Hersteller von 
DVD Hard- und Software, die das Abspielen von DVDs auf 
Mac und Windows Computern erlaubt. DeCSS und verwandte 
Projekte ermöglichen die Entwicklung von DVD-Playern als 
Freeware, welche in Konkurrenz zu den kommerziellen 
Produkten treten und die Lizenzeinahmen und Profite der 
Hersteller schmälern würden. 

UNSERE MEINUNG 

Die hier unterzeichneten Mitgleider der Global Internet Liberty 
Campaign glauben, daß diese Klage negative Auswirkungen 
auf die Redefreiheit haben kann. Unserer Meinung nach steht 
die Handlungsweise der DVD-CCA in direktem Widerspruch 
zur Menschenrechtskonvention und zur Verfassung der USA, 
da die Programmierer nur legal erworbene Information 
veröffentlicht haben. 

Wir protestieren auch gegen den Versuch der DVD-CCA, die 
Unterscheidung zwischen der Publikation von Material auf 
dem eigenen Webserver und dem bloßem Verweisen auf 
externe Quellen zu verwischen. Wenn das ursprüngliche 
Reverse-Engineering, wie wir meinen, legal war, dann wohl 
auch die spätere Verbreitung dieser Information. 

Die Vorgehensweise der DVD-CCA erzeugt den Eindruck, 
daß sie glaubt, kleine Leute rasch gefügig machen zu 
können, indem sie ihnen ihre Anwälte auf den Hals hetzt. 

Wir sind der Meinung, daß es den Inhabern von Rechten an 
geistigem Eigentum nicht gestattet werden darf, ihre Rechte 
auf Kosten der Redefreiheit auszudehnen - insbesondere 
dann nicht, wenn es darum geht zu erklären, auf welche 
Weise Konzerne die Verbreitung von wissenschaftlichen 
Erkenntnissen behindert haben. 

Wir glauben, daß die DVD-CCA versucht, unter dem 
Deckmantel des Urheberrechtes, die freie Meinungsäußerung 
im Cyberspace zu untergraben. 

UNTERSCHRIFTEN 

American Civil Liberties Union http://www.aclu.org 

Canadian Journalists for Free Expression http://www.cjfe.org

Computer Professionals for Social Responsibility 
http://www.cpsr.org

Cyber-Rights & Cyber-Liberties (UK) http://www.cyber-rights.org

Derechos Human Rights http://www.derechos.org

Electronic Frontiers Australia http://www.efa.org.au

Electronic Frontier Canada (EFC) http://www.efc.ca

Electronic Privacy Information Center http://www.epic.org

FITUG e.V. http://www.fitug.de

Fronteras Electronicas Espaņa (FrEE) http://www.arnal.es/free

Index on Censorship http://www.indexoncensorship.org

Internet Freedom http://www.netfreedom.org

IRIS (Imaginons un reseau Internet solidaire, France) 
http://www.iris.sgdg.org

NetAction http://www.netaction.org

Privacy International http://www.privacyinternational.org

quintessenz http://www.quintessenz.at

VIBE http://www.vibe.a



WEITERE INFORMATION 

The Global Internet Liberty Campaign http://www.gilc.org

Factsheet from Opendvd.org 
http://www.opendvd.org/journalists.html

Fascmile of the complaint for injunctive relief for 
misappropration of trade secrets by DVD-CCA 
http://www.lemuria.org/DeCSS/dvd-v-500.htm

Wired article 
http://www.wired.com/news/business/0,1367,33303,00.html

San Jose Mercury 
http://www.sjmercury.com/svtech/news/indepth/docs/dvd122999.htm

Eric S. Raymond on the Case 
http://www.opendvd.org/esr.html

German language analysis 
http://futurezone.orf.at/futurezone.orf?read=detail&id=13421

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Zuletzt aktualisiert: Sunday, 07.03.2004 16:24:21